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6 Gründe, Tischtennis zu spielen – und das auch noch in einer Mannschaft! (2005)

Mittlerweile bin ich als Mittfünfziger schon ununterbrochen 15 Jahre in irgend einer Tischtennismannschaft vorwiegend mit der Rückhand defensivstbeholzt schwammlos langnoppig den Ball am Schupfen und frage mich, warum ich diesen Sport gerade in dieser Ausprägung immer noch als das einzig Wahre für mich empfinde. Das ist paradoxer Weise nach reiflicher Überlegung wohl darauf zurück zu führen, dass ich ein gnadenloser Individualist bin. Für so einen Typen kommen viele Dinge eben nicht in Frage:

1)Ich sehe nicht ein, warum ich mir etwas ans Bein binden soll, was mich zum Teil einer Maschine und damit davon abhängig macht, dass auch ja keiner irgendwo aus Versehen den richtigen falschen Stecker rauszieht- einen Chip zum Beispiel. Solange ich vermutlich noch aktiv sein kann, wird hoffentlich wohl keiner auf die Idee kommen, bei 10:10 die Anzahl der Beinbewegungen inklusive nervöser Wadenzuckungen auszuwerten. Das Spiel ist ja an sich schon fast zu schnell für die Glotze, und im Hinblick auf eine Attraktivierung der Übertragungen frage ich mich, was dann höher zu bewerten sei - mehr oder weniger Action. Angesichts der neu eingeführten dickeren Bälle räume ich der zweiten Möglichkeit größere Chancen ein. Und was Kanten- und Netzbälle angeht, sehe ich lieber mal großzügig über eine unangenehme Entscheidung hinweg und gehe zu Punkt 5 über, ehe ich für eine Verchippung der Tische eintrete..

2)Ich finde B- Noten generell schrecklich, weil sie die Vetternwirtschaft begünstigen.Wenn es die beim Tischtennis gäbe, wären die für mich sowas von tödlich, weil ich mit Schönspielerei immer auf die Schnauze falle. Man stelle sich vor, dass einer nach jedem Ballwechsel eine korrekte Kniebeuge mit ausgestreckten Händen hinlegt. Hahaha - wo sich einige betagte keuchende Tripelzentner schon mal gern die Bälle von den uneingeweihten Gegnern aufheben lassen. Und mein spitzer Siegesschrei nach jedem gewonnenen Ball? Ich weiss nicht recht, ob das so gut ankommt.Meist entschuldige ich mich lieber sofort dafür. Beim Aufschlag wird so was wie eine B- Note zwar immer wieder einzuführen versucht, aber meinen langen Noppen ist eh meist egal, was der Gegner für Verrenkungen anstellt, und solange in den Kreisklassen die Spieler sich selbst schiedsen, soll erst mal eine Krähe mit dem Augen aushacken anfangen. Die wird spätestens nach dem zweiten mal schon sehen, was sie davon hat. Die kann dann mit drei schwarzen Bällen auf einem gelben Tisch weiterspielen. Klaro werden da so manche Erfolge unter der Hand an Land gezogen, aber wo geschieht das nicht?

3)Ich brauche keinen sekundären Nervenkitzel. Beim Tischtennis fiebert keiner dem Crash entgegen. Mal ehrlich: Was ist auch schon ein Schlägerbruch gegen einen Halsbruch? Selbst unsere massive altdeutsche Eiche schafft es beim Doppel immer irgendwie, keinen Rippenbruch durch seinen kreisenden Partner zu kassieren. Ehe sich ein Boll die "Balls" an der Tischkante quetscht, haben sich irgendwelche Rennfahrer zehnmal den Bregen geschrammt. Außerdem geht es beim Tischtennis nicht ohne Gummi, das sogar besonders bei der jüngeren Generation vor jedem Einsatz frisch geklebt wird. Sowas ist im Gegensatz zu den Kamikazesportarten in Punkto Verkehrssicherheit schlicht und ergreifend vorbildlich.

4)In meinem Alter fällt es langsam immer schwerer, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Somit fühle ich mich als obendrein glücklich Silberverehelichter in einer ebenso kostengünstigen wie unisexuellen Tischtennismode-Diaspora wohl. Den Tischtennissport dürften wohl gar gläubige Iranerinnen in der vorgeschriebenen Wettkampfkleidung betreiben. Den Männern an sich sollte es auch recht sein, bleibt ihnen doch damit die Chance  erhalten, möglichst dich an der Platte zu stehen, obwohl gerade einige Herren schon mit ganz schön strammen Höschen aufwarten. Andere dagegen schieben unermüdlich seit Jahrzehnten ihre meist ruhige Kugel in dem von der Mamma gestrickten (meist blauen) Pullunder mit dem Vereinsnamen hinten drauf. Ich bin froh, dass ich -sofern das Thermometer mehr als 10 Grad anzeigt- sogar  dann meine Lieblingstrainingshose anbehalten darf, wenn gerade kein lizensierter  Oberschiedsrichter  in der gegnerischen Mannschaft bartsch zur Hochform abhubert.

5) Ich mag den Jugend- ebenso wie den Körperwahn nicht, und die langen Noppen geben mir die Möglichkeit, als schmerbäuchiger Unscheinbarling manch einem jungen Fullspeedy oder aufgepumpten Midlifer zu zeigen, was eine Harke ist. Na guut - des öfteren bekomme ich als gestandener Altachtundsechziger (Abiturjahrgang) von gestandenen Altachtundsechzigern (Mindestalter) gezeigt, wo es lang geht. Da muß ich eben durch und mich auf die biologische Uhr verlassen, die dereinst das Kräfteverhältnis kippen könnte- aber ich sehe das als einen letztlich spannenden Optimierungsprozess. Wen sollte es bei soviel Distanz dann verwundern, dass ich kein  Freund von Körperkontakt bin. Wenn ich meinem Sportfreunden jenseits des Tisches in kritischen Situationen den Rest geben  will, dann mache ich das mit im Laufe der Jahre immer ausgereifteren psychologischen Mitteln : Ich kann ja sooowas von gönnerhaft, mitfühlend, brutal aggressiv körpersprechend und kunstvoll auszeitelnd sein - aber natürlich immer fair! Da verzeiht man mir sogar die obligatorischen spitzen Schreie nach jedem egal wie gewonnenen Ballwechsel. Bei den für mich typischen zahlreichen erkannten eigenen Kanten- oder Netzbällen halte ich mich aber zurück, und diejenigen des in Scham kontrahierenden Duselkönigs kommentiere ich mit einem knappen: "Is alles erlaubt!".

Emotion statt Motion! - Hier bin ich Schwein, hier darf ich's sein!

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Jeder im Wettkampf erprobte Tischtennisspieler kann sich da einen Reim drauf machen.

6)Einzelmeisterschaften mag ich nicht - dort sind die Tische meist zu eng gestellt, und es werden zuviele Einsätze am Tag erforderlich. Als Querdenker spiele ich nun mal auch mit Vorliebe quer - besonders im Doppel, und das benötigt ausreichend Platz an der Seite und hinten raus. Ein Partner soll sogar schon mal vom Luftzug meines Scheibenwischers die Vorstufe einer Lungenentzündung bekommen haben. Was die Häufigkeit angeht, trau ich mir generell alles zu, aber bei meiner eher einfühlsamen und ausdauernden Art nicht mehr als 4 Mal am Abend mit ausreichenden Pausen dazwischen - besonders, wenn ich bei jeder Begegnung  fünf Mal ansetzen muss. Man wird ja schließlich nicht jünger. Bei den Einzelmeisterschaften läuft das aber meist so, dass ich in den ersten Spielen fittes Kanonenfutter bin und bei den zu schießenden Spatzen am Ende buchstäblich an eben solchem und darüber hinaus. Das kommt nicht gut in der Ergebnisliste. Deshalb hänge ich mich lieber bei Punktspielen voll rein: Die finden zudem abends  im Winter statt, wenn es dunkel ist, und ich den Ball vernünftig sehen kann. Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, dass ich meine Gegner in Punktspielen höchstens zweimal in Jahr vor das Hackbrett bekomme, und diese sich deshalb nicht daran gewöhnen können. Und überhaupt - dort trifft man normalerweise gleich von Anfang an auf einigermaßen Gleichstarke (meine Einzelbilanz nach 10 Jahren: 155:112). Wenn ich allerdings schon vom Meldebogen her aufgrund irgendwelcher personellen Ausfälle absolut keine Chance gegen den Favoriten haben sollte, muß ich die eben zähneknirschend im Interesse der Mannschaft zu nutzen versuchen. Sowas motiviert dann zusätzlich soweit, dass es manchmal sogar etwas bringt. Solche Dennoch - Erlebnisse sind für einen Pingpong - Legastheniker wie mich doch die schönsten - besonders, wenn es um den letzten Punkt für den Gesamterfolg und dazu womöglich noch im Schlußdoppel geht. Und bei einer Doppelbilanz von 136:62 seit 1995 hat es für mich etliche davon gegeben.

7)Nicht unwesentlich trägt zu meinem Vergnügen bei, dass ich auch schon seit 10 Jahren Mannschaftsführer bin. Das bedeutet zweimal im Jahr STAFFELTAG. Wer da fit ist, holt schon vorab für seine Mannschaft 4 Punkte in der Endabrechnung. Das bedarf allerdings einer besonderen Ausbildung und Routine. Wenn die Sitzung um 20 Uhr angesetzt ist und ab 19.30 Uhr Termine abgesprochen werden können, hat jeder, der erst um 19.15 Uhr anwesend ist, ausgesprochen schlechte Karten. Wenn die Kneipe besetzt ist, führt das schon mal dazu, dass die Termine draußen vor der Tür verteilt werden. Das macht garnichts, denn dann verläuft sich alles ein wenig, und der nächste Gegner bekommt nicht soviel von den Verhandlungen mit dem letzten mit. Das schont die Pokermuskeln im Gesicht. Danach versuchen zwar immer wieder welche, doch noch umzuterminieren, aber dagegen hilft ungezwungene Apathie ganz leidlich. Hat man dagegen selbst ins Klo gegriffen, sind alle Register der Schmeichel-, Droh-, Verbrüderungs- und Verschleierungskunst gefordert. Das gilt auch, wenn man seine taktische Aufstellung gegen die Wettkampfordnung durchbringen will. Ein wichtiger Gesichtspunkt fällt allerdings mehr und mehr weg: Die optimale Platzierung der Auswärtstermine in die wettersicheren Monate. Auf das Wetter kann man sich einfach nicht mehr verlassen!

8) Einen weiteren Lustgewinn für Mannschaftsführer bildete vor ein paar Jahren die Platzziffer- Regelung bei den Doppeln. Dadurch ergeben doch etliche Menge Kombinations- und Irritationsmöglichkeiten kurz vor dem Spiel, zumal bei den in meiner Spielklasse vorherrschenden Altherrenriegen selten mit der Stammbesetzung gespielt werden kann. Da die Aufstellung im Prinzip geheim sein soll, sind obendrein noch echte geheimdienstliche und Pokerqualitäten gefragt. Aber da will ich doch lieber nicht allzuviel verraten...

Alle Rechte vorbehalten: Johann Kowalczik

 

 

Weitere Erkenntnisse:

Erfahrungen eines Umsteigers (1988)

Bekenntnisse eines Spielverderbers (1998)

Hans im Glück oder Wie man Scheiße als Dünger erkennt. (2012)

Es gibt mir sehr gut bekannte ehemalige Jugendtrainer, die diesen Artikel höchstwahrscheinlich als böse Satire empfinden, obwohl er nicht nur für ihren Sportbereich , sondern für alle Lebensbereiche zutrifft.

 

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