Die NATTERNBUSCHER
ÄNDERUNGSDENKEREI Alles nur Märchen und Fabeln - aber wenigstens selbst gedichtete!
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Quercus Es war einmal ein
Bettpfosten namens Quercus. Das war aber kein
gewöhnlicher Bettpfosten, sondern ein schon ganz
furchtbar alter mit allen Wachsen gewachster Bettpfosten.
Als massiver runder Eichenständer mit breiten
Holzpuschen und einem abgedrehten dicken Kugelkopf
obendrauf war er eine imposante Erscheinung und nach
mehreren Umzügen trotz leicht gelockerter Scharniere
immer noch eine stabile Stütze des Bettes. Dies widerum
war in der hintersten Ecke eines kleinen Pensionszimmers
gelandet, wie es sie heute noch in mittelalterlichen
Kreisstädten preiswert zu mieten gibt. Sein
Privileg bestand darin, als einziger frei im Raum zu
stehen und somit bisher ohne größere Schrammen davon
gekommen zu sein. |
der Naturwissenschaftler würde dies
vermutlich auf einen sich bei solchen solchen
Gelegenheiten stetig erhöhenden Feuchtigkeitsgehalt der
Luft des Schlafgemachs zurückführen. Bei Füßen
hingegen lebte er eher seine niederen Instinkte aus,
indem er sich ihnen, wenn sie ihm gar zu quer
kamen, schlicht und ergreifend in den Weg stellte
und somit gerne einmal Fünf gar krumm sein lassen
konnte. Die aus den Schenkel- und Fußkontakten
resultierenden äußerst schmerzhaften Effekte
unterschieden sich aber nur unwesentlich. Sie addierten
sich bisweilen sogar, wenn ein unversehens Geküsster
daraufhin im Affekt seine Zehen krümmte. Quercus war
nicht unwohl dabei. Im Gegenteil - er bildete sich ein,
dass er damit so etwas wie eine enorm günstige
makropunkturelle Wirkung auslöste. Unser keineswegs unintelligenter Bettpfosten wusste aber um die Risiken seines Tuns sehr wohl. Deshalb tat ihm dieses immer sofort pflichtschuldigst leid, weshalb jeder Kontaktierte bei ihm drei Verwünschungen frei hatte. Solchselbiges war an und für sich eine ganz tolle, weil im Allgemeinen ungemein befreiende Sache, wenn sie nicht doch einen klitzeklitzekleinen Haken gehabt hätte: Der Bettpfosten war nämlich ob des lauten Knarrens und Schnarchen und mancher spitzer Schreie - auch der Holzwurm tickte nicht mehr so richtig - etwas schwerhörig geworden. Dieses wiederum führte dazu, dass er so manch wüste Verwünschung gar nicht mehr so recht wahrnehmen konnte, was ihm gar traurig ankam, denn schließlich hatte er sich so dran gewöhnt, dass man es kaum einem Lignotherapeuten hätte verdenken können, hätte er in diesem Zusammenhang gar von lieb gewonnen gesprochen. So wähnte sich der doch aus so hartem Holz Geschnitzte gar nicht mehr so recht wahrgenommen und begann eine Art Re-Metamorphose. Er sehnte sich ab und zu nach den goldenen Zeiten zurück, da noch richtig phantasievoll geflucht wurde und vor allem auf Deutsch. Jedsleggstmiamaasch, Sooonescheeeiiiiiiissseabaaaaau oder Sakradeifinoamol das waren noch wahrhaft heilende multivokale Klänge! Sauknochen ließ er sich auch noch gefallen, und dass das schmerzdehnende Langzeit -ie bei Schiet jetzt kurz und spitz geflucht wurde, konnte er ja gerade noch so nachvollziehen, aber was fkkkkkkkkkk oder grzuczjklyczg bedeuten sollte, würde ihm dann doch wohl ob seiner rasant schwindenden Hör- und Lernfähigkeit für immer verborgen bleiben. Als ihm dann eines Tages zu allem Überfluß von der an sich nicht ungewitzten Pensionswirtin in Sorge um ihre Gäste noch ein innen sorgsam auswattierter Klohut über den Kopf gezogen wurde, gab er es ob der engen Häkelmaschen und des eingeschränkten Gesichtsfelds. endgültig auf, Kontakt zu den Menschen zu suchen und besann sich wieder auf diejenigen, bei denen er sich ohnehin schon zeitlebens untergehakt hatte. Diese beschworen ihn zudem ganz eindringlich, dass er ursprünglich und immer noch dringend als Stütze des gesamten Systems gebraucht würde. Das führte dazu, dass er sich fortan sogar dem Lattenrost widmete, den er vorher eher von oben herab wahr und nicht ganz ernst genommen hatte. Dabei bemerkte er, dass sie untereinander sogar stumm besser als erwartet miteinander umgehen konnten, und wenn er nicht verfeuert ist, dann steht er immer noch wacker seinen Pfosten. |

Das Märchen
vom Märchenerzähler, dessen Märchen keiner hören
wollte. |
Er suchte fortan
Anschluss bei den Nischennistern in der weiteren
Umgebung, die den Anspruch haben, sensibler,
intellektueller und vor allem anders zu sein. Er
verzichtete dafür ganz auf Worte und summte nur noch
märchenhafte Sequenzen, zu denen sich das Auditorium
eigene Märchen ausdenken sollte. Das fand die Zielgruppe
zwar ganz anregend und unterhaltend, doch störte sie
sich daran, dass sich der Märchenerzähler nicht zu dem
exquisiten esoterischen Dressing bekannte, ohne den sie
geistige Nahrung zu verweigern pflegen. Als er auch noch
seine speziellen Märchenerzählmethoden in VHS- Kursen
zum Nulltarif anbot, dachten sich nahezu alle "Der
kann uns viel erzählen!" und zeigten ihm mittels
demonstrativen Stirntippens die kalte Achselhöhle. Also
fühlte sich unser Geist-Erfahrer endgültig als
Geisterfahrer wider Willen. |

Das Märchen von der Märchenfee, die keine Märchenfee mehr sein wollte.
Ihr werdet als aufmerksame Zuhörer vielleicht schon ahnen, dass dieses Märchen etwas mit dem letzten, dem Märchen vom Märchenerzähler, dessen Märchen keiner mehr hören wollte, zu tun hat. Und in der Tat, es handelt sich um eben diese Märchenfee, die dem Märchenerzähler, der sie immer noch wie vor einigen Jahrzehnten liebte, bereits mehr als eine Muse geworden war, deren Anerkennung ihm inzwischen die letzte Motivation bedeutete. Nun wollte es aber das Schicksal, dass die Märchenfee sich eines Nachts während eines zwar pseudo-, aber immerhin doch spirituellen Fortbildungskurses auf märchenhafte Weise selbst erfuhr, indem sie in einem Zustand, von dem sie später nicht beschwören konnte, ob er geträumt oder real war, vorübergehend in eine lichterfüllte transzendente Welt eintauchte. Den anderen Teilnehmern erschien danach ihre euphorisch entrückte Schilderung wie ein Märchen, aber Märchenfeen sind eben so - zumindestens für sich. Von nun an war sie aber für andere eine andere. Und so fing sie an, langsam aber konsequent mit dem speziellen Märchenerzählergefeee aufzuhören und sich andern Menschen und vor allem sich selbst zuzuwenden. Das zeigte sich unter anderem darin, dass sie eine Art Allesflüsterin zu werden schien, nur noch mit positiven Gedanken und guten Gefühlen zu tun haben wollte, und vor allem befürchtete, von dem ihr zwar anvertrauten, aber unerwartet flüsterresistenten Märchenerzähler ausgezehrt zu werden, in dessen Gegenwart sie sich einfach nicht mehr wohlfühlte. Es abgründete darin, dass sie anlässlich eines ebenso hingeschluderten wie hochgepriesenen Fremdmärchens, über dessen Machart und dessen Akzeptanz bei den selbsternannten Märchenexperten er sich wieder einmal rechtschaffen aufregte, dem Märchenerzähler wider Erwarten nicht mehr beistehen wollte, sondern ihm schließlich eröffnete, sie habe nicht mehr so ein Interesse mehr an ihm wie vorher und könne ihm nicht mehr geben, was er brauche. Er ginge ihr auf die Nerven, und sie hätte sich lange genug als Märchenfee ausnutzen lassen und überhaupt sei es eine schreckliche Zeit für sie gewesen und ihre Märchenfeengeduld restlos am Ende. |
Wer sie schon länger kannte, den wunderte es nicht,
dass sie sich selbst diesen Eigenwunsch nach einem
Privatparadies sofort erfüllte, so gut es ihr nur irgend
ging. Es wäre auch nicht verwunderlich gewesen, wenn
diesen Zustand irgendjemand als Märchenbefeedung
bezeichnet hätte. Da sah auch unser arg geschockter und
ernüchterter Märchenerzähler recht schnell ein, dass
es folglich es mit seinen künstlerischen und sonstigen
Freiheiten, von denen ich am Schluss des letzten
Märchens berichtet habe, Essig sein musste - wenn auch
nicht unbedingt mit BIO, denn dieses Märchen war ihm
noch nie geheuer. Er begann also, sich an den Trank zu
gewöhnen, dem ja nicht umsonst heilsame Wirkungen
zuerkannt werden, und der ihn rasch 12 Kilos kostete, von
denen einige zugegebenermaßen als überflüssig
bezeichnet werden konnten. Das fand seinen Ausdruck nur
noch im Internet und unter anderem darin, dass er sich
sonst niemandem außer seinem Therapeuten mitteilte. Die
Märchenfee zeigte sich jedoch darob wider Erwarten
befremdet. Außerdem hatte sie sich aus Äskulaps
Paradiesgärtlein vom Baum der Märchenfeen-Erkenntnis
eine beträchtlichen Vorrat an Supersaueräpfeln besorgt
und hielt diese dem Märchenerzähler mehrmals täglich
vor. Da er dazu erzogen war alles aufzuessen, was auf den
Tisch kam, verweigerte er sich auch nicht. Nun erzählen
sich ja die alten Leute, dass sauer lustig machen soll,
aber das gilt wohl nur für diejenigen, die sich am
Anblick des Angesäuerten erfreuen können. Unserer
Märchenfee konnte man zwar einiges zutrauen, aber
Schadenfreude? Nein- das war dann doch nicht ihr Ding.
Ganz im Gegenteil, sie wollte ja nur noch frohe Gesichter
um sich, und sein Frustface war demnach allemal ein
triftiger Grund, den Abstand zum Märchenerzähler noch
weiter anwachsen zu lassen. Da half jenem auch nicht,
dass er jedesmal laut und deutlich kundtat, wenn er sich
trotz inzwischen chronisch verknitterter Miene freute,
was durchaus manchmal noch vorkam - sie vertraute ihm
nicht mehr und glaubte lieber ihrer Wahrnehmung von
seiner Körpersprache. Im Bestreben, zu retten, was zu
retten wäre, -ganz im Ernst; Wer lässt schon eine
Märchenfee sausen? - bemühte der Märchenerzähler sich
nun seinerseits, seiner nunmehr Ex-Märchenfee jeden
Wunsch von den Augen abzulesen, was sie wiederum noch
mehr entgeisterte und zu der wenig märchenfeenhaften
Aufforderung veranlasste, "er solle sich gefälligst
endlich um sich selber kümmern". Obendrein fasste
sie den Entschluss, wenigstens eine Zeitlang eine
räumliche Trennung herbeizuführen, und willigte in eine
mehrwöchige Umschulung für Märchenfeen ein, die fernab
hinter den sieben Bergen angeboten wurde und eine
Wiedereingliederung in was auch immer versprach. Der Weg
dorthin führte durch die Schluchten der Bürokratie und
war demnach lang und beschwerlich. Aber endlich war es
dann soweit. Es war sogar soweit gekommen, dass obwohl
...nein, gerade weil er seine Märchenfee immer noch lieb
hatte wie vor einigen Jahrzehnten, auch der
Märchenerzähler darüber froh war, dass es endlich
soweit war. Er sagte es zwar, aber man sah es ihm nicht
an... Wenn ihr denkt, jetzt sei alles gut geworden, kann ich nur sagen: "Wo denkt ihr hin?" Mitnichten ward dem so. Der Märchenfee wurden die dollsten Märchen aufgetischt von Selbstverwirklichung und irgendwelchen fabelhaften Chancen, wenn sie nur dem alten Märchenerzähler abschwören würde. Das tat sie dann auch gründlich und ward fortan nicht mehr in seiner Nähe gesehen. Dem unverändert erlebnishungrigen Märchenerzähler blieb darob nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, sich selbst mangels märchenhafter Rundumversorgung zur Möhrchenfee zu entwickeln und auf irgendeine märchenhafte Wendung zu hoffen. Und wenn ihm die Möhrchen uund Kartoffeln nicht auch noch ausgegangen sind, dann hofft er noch heute. |

| Das Märchen von der
märchenhaften Wendung Ihr werdet euch sicher fragen, wie die Märchen vom Märchenerzähler und seiner Märchenfee weiter gegangen sind, nach dem sie ihn allein mit seinen Möhrchen zurückgelassen hatte. Ich muss dazu ergänzen, dass er ihr eine Rückkehr jederzeit offengelassen hatte, was jedoch eher dem Anspruch an sich selbst als einer generösen Barmherzigkeit genügte. Es hieß zwar im vorher erzählten Märchen, er hoffe auf ein märchenhafte Wendung, aber das war eigentlich nur so dahin erzählt, weil das von einem zünftigen Märchen nunmal erwartet wird. In Wirklichkeit fristete die Hoffnung höchstens in seinem Unterbewusstsein ein eher klägliches Dasein - wenn überhaupt. Er konnte sich später jedenfalls derartiger Gedanken nicht so recht entsinnen. Das hätte auch garnicht seiner Art des Umgangs mit solchen Situationen entsprochen, die ihm seit dem pränatalen Bekanntwerden seiner Existenz wieder und wieder mittels einschlägiger Erfahrungen so etwas von angeeignet worden war, dass es bezeichnenderweise keiner großen Anstrengung bedurfte, dies seinem Therapeuten einzuleuchten. War es da ein Wunder, dass er seiner Natur entsprechend auch keine Lust auf eine andere Märchenfee oder sonstwelche Erscheinungen hatte? Allemal half es ihm, ganz passabel mit seiner Lage fertig zu werden. Hört also zu, was sich zutrug: Die Monate gingen ins Land und die Möhrchen schon deshalb nicht aus, weil sich unser Märchenerzähler zu einem ganz passablen Möhrchenzähler entpuppte. Diese Hinwendung von der gelegentlichen Ätzung zur geregelten Atzung wirkte sich überaus positiv auf sein Allgemeinbefinden aus. Es sorgte vor allem dafür, dass er nicht vollends in der Haut verschwand, in der er steckte. Der ausgiebige Verzehr dieses Wurzelgemüses hatte zudem die nicht zu unterschätzende Wirkung, ihm gründlich die Augen zu öffnen und die Ohren aufzurichten. Ohne Frage sah er immer weniger einen Sinn von ihm immer klarer erkannten Selffairytaling und begann , sich immer gründlicher in der realen Welt zu orientieren. Dies wiederum war nicht ganz so einfach, wie du dir es als normal Berufstätiger vielleicht vorstellst, denn das Märchenerzählen war ihm zu so etwas wie seiner Profession geworden. Dazu kam das Problem der Strukturierung des Alltags: Eine Erbschaft hatte ihn in nämlich die Lage versetzt, bei seinen eher bescheidenen - prädiogenialen, wie er es bezeichnet hätte - Ansprüchen ohne zusätzliches zeitordnendes Einkommen im abbezahlten Eigenheim mit dem vorhandenen Geld so gut auszukommen, dass er darüberhinaus auch noch die Hälfte davon als Unterstützung an seine Ex-Märchenfee überweisen konnte, der es zweifellos vorteilhaft zu ihren Selbstverwirklichungsversuchen gereichte. Des Möhrchenzählers Realität bestand neben regelmäßigen Besuchen beim Therapeuten im Folgenden darin, seine Überlebensfähigkeit auszuloten. Er hatte schnell begriffen, dass es dazu keiner medienwirksamen Wallfahrten in unerforschte Urwälder bedarf, die in irgendwelchen Hexenöfen enden könnten. Stattdessen entwickelte er anhand von Plastikdosen und stetiger Erweiterung der Nahrungspalette rasch einen nicht unerheblichen Stolz auf seine Fortschritte in Bezug auf Vorratshaltung und Selbstversorgung unter weitestgehender Vermeidung von Fertigprodukten. |
Wer das als Einzelkämpfer schon einmal versucht hat,
weiß es gebührend zu schätzen. Außerdem hatte er ein
Haus und einen nicht allzu kleinen Garten zu unterhalten.
Dass er solches wirklich in Angriff nahm und es
durchhielt, schaffte die nötige Grundstruktur für eine
gewisse Überlebensperspektive. Vor diesem Hintergrund
tauchte er - wenn auch meist nur als stiller Beobachter -
ab und zu in das reale Leben ein, das um ihn herum tobte,
und sorgte dafür, dass aus dem frischgebackenen
Eigenbrötler kein altbackener Eigenbrödler wurde. Als
irreale (und im alten Umfeld durchaus provokante)
Komponente blieb allerdings zu vermelden, dass er von
Beginn an dem Alkohol strikt entsagte, aber daran
gewöhnte man sich mit der Zeit. Im Gegenteil - er bekam
das Gefühl, dass sich Nachbarn und Bekannte ihm
gegenüber viel netter und aufgeschlossener zeigten als
zuvor, und das verwunderte ihn dann doch in einem nicht
geringen Maße. Es gab einige Ausflüge in die virtuelle
Realität der Chats und Foren, und da von einem Single im Seniorenalter gerade dort eher Märchen gefragt sind, wurden diese meist beendet, ehe sie richtig angefangen hatten. Ähnliches war über den Kontakt zu seiner Ex- Märchenfee zu berichten, der sich auf den monatlichen Kontoauszug und möglichst bürokratische Mitteilungen per Email beschränkte. Das war sicherlich nicht das Schlechteste, was dem Möhrchenzähler passieren konnte. So kam es, dass er sich nach eineinhalb Jahren mit seinem Leben im absoluten Hier und Jetzt ganz passabel arrangiert hatte. Als er sich nun eines Tages im Advent dem Silvesterfest entgegen freute, das er wie im ersten Jahr seines Überlebenstrips im Kreise eines mehrtägigen Musikseminars zu verbringen gedachte, klingelte das Telefon.... Am andern Ende meldete sich die Ex-Märchenfee. Der Möhrchenzähler wollte sie wie bei den bisherigen wenigen Anlässen gewohnt schnell abfertigen, aber ihre Stimme hatte einen gewissen Klang, der den Möhrchenzähler alsbald unwiderstehlich veranlasste, in seiner inzwischen unnachahmlichen Direktheit nachzufragen, ob sie etwa wieder zurückkehren wolle. Man kann nicht behaupten, sie sei darob nicht sprachlos gewesen, doch Abneigung war es nicht, was durch den Äther wellte und nach einem Monat ausgiebigster Tast-Telefonate und -Emails in einem ersten Zusammentreffen mündete, dessen harmonischer Ablauf ohnehin keinem zu vermitteln wäre, der nicht selbst Ähnliches erlebt hat. Sie blieben von desem Tag an wieder überwiegend sehr gern zusammen, aber wer denkt, alles wäre fortan beim alten gewesen, glaubt wirklich noch an Märchen. Märchen waren zumindest für den Erzähler selbst nahezu kein Thema mehr - ebenso wie reale Frühergeschichten und seine alten übergroßen Lieblingsklamotten, deren er sich prompt entledigte. Höchstens gelegentlich wähnte sich dabei der Möhrchenzähler im Märchen - als Fischer neben siner Fru, aber das dauerte meist nicht lange und war so ziemlich der letzte alte Hut. Deshalb will ich das nicht unnötig vertiefen. Die Verwurstung von Möhrchen blieb für ihn wenigstens ab und zu angesagt, und von nun an genoß er es, sich in seinem eigenen Zimmer in den Schlaf fernsehen zu können, ohne irgendwelche Traumfeenträume zu stören. Wenn die beiden auch für Außenstehende vermutlich wieder aufeinander hocken mögen, hacken sie wenigstens nicht mehr so aufeinander, und wenn sie nicht gerade besonders nett und fürsorglich zueinander sein wollen, dann leben sie immer noch leidlich friedlich nebeneinander miteinander. |

| Terry und die Möpse Einst lebte mitten unter uns eine Frau namens Johanna, die nach etlichen negativen Erfahrungen mit Männern - den Vater eingeschlossen - absolut keinen Bock mehr hatte und sich deshalb allein durch das Leben zu wurschteln beabsichtigte. Weiß der Teufel, warum sie trotzdem in einem Sommer auf Mallorca landete. Nein nein, sie geriet nicht in die Fänge der beballerten Männer dort, aber es veränderte ihr weiteres Leben entscheidend, als sie bei einem ihrer einsamen Spaziergänge am Strand einen kleinen etwas angemagerten Hund antraf. Er schien zudem sehr jung und frauchenlos. Es war einerseits das Terrierhafte, das ihr imponierte, und andererseits gingen von ihm gewisse Signale aus, die sofort bewirkten, dass jenes Gefühl, das Frauen gern im Bauch zu haben pflegen, sie heftig davor warnte ihn ein zweites Mal anzuschauen geschweige denn ihn zu berühren. Das Schicksal schlug dennoch zu: Sie konnte sich seinem Bettelblick nicht entziehen, streichelte ihn und blieb an ihm kleben. Folgerichtig schmuggelte sie ihn nach Hause, wo sie ihn Terry nannte und aufpäppelte. Terry hatte es relativ gut, denn er bekam sein Fressen frisch zubereitet, Johanna ging mit ihm regelmäßig "Gassi", wozu sie ob der Kooperationsbereitschaft Terrys nicht einmal eine Leine brauchte, und geschlafen wurde ohnehin gemeinsam im Bett, wobei bisweilen nicht auszumachen war, wer wem zu Füßen lag. Die eine war eben auf den Hund gekommen und der andere auf den Menschen, was sich an und für sich über Menschenjahre und Hundejahrzehnte trefflich ergänzte. Die Außenstehenden erklärten ihre Beziehung gar zur Symbiose, wobei sie das je nach Neidpegel unterschiedlich gut fanden. Es gibt eben gewisse Zusammenstellungen, die man nicht nur ohne Prügel essen, sondern auch leben kann. Sie lebten vielleicht noch heute so, wenn Johanna nicht nach schlimmen Anfeindungen an ihrem Arbeitsplatz psychisch krank geworden wäre. Zwar bekam sie eine ausreichende Pension trotz ihrer noch sehr jungen Jahre, aber sie fühlte sich in der Umgebung unwohl und erwarb schließlich einen ausgedienten Leuchtturm weitab von allen Bekannten und Verwandten. "Wieso gerade ein Leuchtturm?" wirst du fragen, aber das ist eigentlich leicht einzusehen, weil es eben nicht leicht einzusehen ist. Zudem empfand sie den gewonnenen Weitblick als Bereicherung ihres Lebens und überhaupt waren Leuchttürme damals günstig zu haben. Um aber den Kontakt mit den Mitmenschen nicht ganz zu verlieren und vor allem als Beschäftigungstherapie renovierte sie den Leuchtturm und errichtete darin über ihrer kleinen Turmwärterinnenwohnung ein kleines, aber sehr feines und teures Spezialitätenrestaurant. Auch ein Fahrstuhl wurde anstelle der der beschwerlichen Wendeltreppe eingebaut. Für Terry hatte das zur Folge, dass er auch schon mal allein Gassi gehen durfte. Allerdings musste er immer vorher Bescheid bellen, damit ihm sein Frauchen den Lift bedienen konnte, an den er sich zugegebenermaßen nur schwer gewöhnen konnte. Überhaupt war der Lift ein technisches Ungeheuer, das die meisten Gästehunde abschreckte. So kam es, dass höchstens Möpse und andere Kleinkaniden via Handtasche oder Busenkuhle den Weg ins Restaurant fanden. Gegen eine dennoch nicht auszubleiben drohende Langeweile brachte ihm seine sehr fürsorgliche menschliche Lebensgefährtin trotz einer enorm gewachsenen beruflichen Anspannung nebenbei einige terriergerechte Kunststücke bei. Mit denen und seiner aufgeschlossenen Art baute er sich nun im Laufe der Zeit ein Stammpublikum unter dem Personal auf, das sich von ihm angenehm unterhalten fühlte. Und dann gab es ja schließlich noch die ausgesprochen netten schwulen Küchenhilfen Max und Moritz, die immer für einen kleinen Knuddel bereit waren. |
"Alles in Hundefutter!" könnte man jetzt
feststellen, aber dem war nicht so. Da sich diesen
Restaurantbesuch nur bestbetuchte Prommies ( Neider
deuteten das als Abkürzung für "Promoted
Dummies") leisten konnten, waren seinerzeit generell
Möpse angesagt. Diese taten sehr eingebildet und fielen
durch ihre sehr freie Art auf (, die von denselben
Neidern als "Wohlstandsverwahrlosung" definiert
worden wäre, zumal ihr gewöhnungsbedürftiges Aussehen
nicht gerade dem herrschenden Schönheitsideal
entsprach), die mitunter das Restaurant im Hundumdrehen
auf den Kopf stellen konnte. Dieses imponierte irgendwie
dem anfangs fassungslos zuschauenden Terry. Womöglich
lag es daran, dass er enormen Nachholbedarf aus seiner
Jugendzeit verspürte. Als nun nach und nach Max und
Moritz unfall- und krankheitshalber als dringend
benötigte zusätzliche Zuwender ausfielen, begann Terry,
sich langsam den kleinen Teufeln auf ihren ebenso
missbilligten wie stillfluchend geduldeten Streifzügen
durch das Lokal zu nähern. Die konnten ihm zwar nicht
den Wassernapf reichen, aber dafür heillos die Ohren mit
ihren Lebensphilosophien aus der hautevolauteschen
Käseglocke volllabern. Das klang an sich ja ganz
interessant und verführerisch, wenn man sich irgendwann
dann doch auf den üblen Slang eingestellt hatte. Für
den normalen Hundgebrauch war es zwar soooowas von
lebensfremd , aber was solls - Terry kam damit
schließlich so gut zurecht, dass Johanna im Endeffekt
ganz froh darüber war, dass er jetzt etwas Abwechslung
gefunden hatte. Terry begann aber auch kaum merkbar damit, aus dem Fenster in den Park am Fuße des Leuchtturmes zu gucken, in dem sich ob der geringen Kapazität an Tischen oft Möpse von geduldig warteten Prommies tummelten. Diese bemerkten ihn auch und forderten ihn auf, zum gemeinsamen Schnüffeln und Rumwetzen herunterzukommen. Als er ihnen beschied, sein Frauchen habe im Moment keine Zeit und er könne allein nicht an den Fahrstuhlknopf kommen, schlugen sie ihm vor zu springen. Das jedoch kam für ihn nicht in Frage, denn schließlich wollte er nicht auch so aussehen wie die Möpse. Aber in seinem Hinterkopf fing es an zu brodeln. Warum sollte er nicht fliegen können? Als er eines Tages davon sogar ziemlich realistisch träumte, war sein Entschluß gefasst: Er würde das Wunder vollbringen und sein Hundeleben damit von Grund auf verändern! Fortan befasste er sich mit Engelsgeduld nur noch mit Engeln und Möpsen und natürlich allen gängigen bewußtseinserweiternden Praktiken. Er studierte Mopsgesänge und kratzte mit der Pfote Mopsalas in den Sand.Was soll ich lange drumrumreden - es kam, wie es kommen musste: Ich weiß nicht , welcher Engel ihn da genau geritten hatte, aber nach geraumer Zeit sprang er dann doch , als er wieder einmal aufgefordert wurde.auf eine Einladung hin. Das heißt, er bildete sich dabei ein, auf einem Regenbogen zur Erde hinabzurutschen. Dabei landete er trotzdem kopfüber in der Realität und sah nicht nur aus wie ein Mops, sondern sprach auch so unverständlich, was bei der nun typischen Mopskieferstellung den Experten weiter nicht verwundert. Deshalb wurde er von Johanna schlicht und ergreifend nicht mehr erkannt, nachdem er irgendwie eine Rückfahrgelegenheit im Fahrstuhl ergattert hatte. Naja- und die Erschütterung hatte auch das ohnehin schon strapazierte Hirn nicht verschont. Also sprang er noch einmal vom Turm und ward fortan nicht mehr gesehen. Johanna wurde von vielen Seiten geraten, sich doch einen neuen Hund anzuschaffen, aber davon hatte sie, die inzwischen wenigstens das normale Frühpensionsalter erreicht hatte, ein für allemal die Schnauze voll. Stattdessen spendete sie aus reiner Dankbarkeit für die geleistete Gesellschaft regelmäßig die Hälfte ihres Einkommens an Tierhhilfeorganisationen - falls Terry deren Hilfe benötigen sollte. Die Mehrheit derjenigen, die überhaupt davon erfuhren, hielten das für ziemlich Gaga, aber erstens war sie ja nicht ohne Grund pensioniert worden, und zweitens frage ich mal ganz gegen meine Angewohnheit suggestiv:: Sind wir nicht alle irgendwie Gaga? |

| Die Fabel von Krebs und
Steinbock Es war zur Zeit der großen mitteleuropäischen Trockenheit, da die zusehends verdunstenden Flüsse und Bäche in den Alpen nur noch spärlich rinnsalten , als ein Krebs sein Dasein sowohl in der einzigen kleinen schattigen Pfütze weit und breit inmitten des Restgerölls eines Wildbaches als auch in der langsam schwindenden Hoffnung auf kommende Niederschläge fristete. Diese Pfütze diente auch einem Steinbock als willkommener Spiegel bei dessen Morgentoilette. Der Krebs war in Ermangelung eigener Reflektionsmöglichkeit über jede Gesellschaft erfreut und bewunderte außerdem den Steinbock ob seiner Vitalität und Anmut. Dem gab er auch allmorgendlich gebührend Ausdruck, woraufhin der Steinbock wiederum neuen Mut für sein beschwerliches Tagwerk schöpfte. Nebenbei bemerkt hatte der Krebs auch nicht zu verachtende Qualitäten als Hufpfleger aufzuweisen, die für manch willkommene Bescherung sorgten. Also baute sich zwischen beiden etwas auf, das man gut eine funktionierende Beziehung hätte nennen können. |
Eines heißen Sommertages allerdings
kam, was anscheinend in so einem Fall immer kommen muss:
"Nimm es nicht persönlich, es ist auch für mich
ein großer Verlust!", meinte der allmählich
ausgedürstete Steinbock noch entschuldigend, als er in
hastigen Zügen die Pfütze inhalierte,
"Tschüss,viel Glück und vielleicht später wieder
mal." Alsdann entfernte er sich offensichtlich
erfrischt. "So hatte ich mir die Erfüllung meiner
Hoffnung eigentlich nicht vorgestellt, aber es ist nun
mal wie es ist.", sinnierte niedergeschlagen der
Krebs. Andere hätten sich womöglich um eine Umschulung
zum Skorpion bemüht, aber er zog sich zurück und
wartete auf bessere Umstände ... Moral : Durst ist schlimmer als alles vermeintlich Mögliche. Geht die Feuchtigkeit zur Neige, mach dich klein und zieh die Scheren ein, damit du wenig Reibung erzeugst und nicht so schnell verdunstest. Das muss nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein, aber es richtet wahrscheinlich den geringsten Schaden an.. |
| Frosch im Glück Es lebte einmal kurz hinterm Deich ein Frosch, der sich frei nach dem Motto "Sei kein Frosch!" außerordentlich fit hielt und deswegen von dem Studio seines Vertrauens als Anerkennung sogar schon den "Samson des Jahres"- ein goldenes Kettchen mit drei goldenen Locken- verliehen bekommen hatte, das fortan seine muskulöse Brust zierte. Darob war er ziemlich überzeugt, in jeder Lage schon irgendwie zurecht zu kommen. Doch der Frosch war wider Erwarten auch sehr belesen und hatte dabei eine große Vorliebe für Fabeln entwckelt. Somit nahm es nicht Wunder, dass er die Geschichte kannte, in der es einem seiner Artgenossen bereits gelungen war, sich aus einer Milchkanne zu befreien, indem er durch heftiges und ausdauerndens Strampeln die Milch zu Butter verarbeitete. Er amüsierte sich sogar in gewissem Grade drüber, denn welcher Frosch ist schon so blöd und begibt sich freiwillig in eine Milchkanne? Als er eines regnerischen Tages wieder einmal auf einen Sprung bei den benachbarten Quäkern im Hafen vorbeischauen wollte, trug es sich zu, dass er auf einem Blatt ausrutschte und vom Kai herab in einen Eimer fiel, dessen Inhalt ihm weiß und feucht entgegenschimmerte." Oh, jetzt ist erst einmal alles im Eimer, aber das ist kein Problem - ich bin ja fit und folglich ist bald alles wieder in Butter!" Er begann also zu strampeln und zu strampeln und zu strampeln. Es wunderte ihn zwar etwas, dass es ihm schwerer fiel als gedacht, aber er baute sich damit auf, dass die Milch wohl bereits so fett sei, dass die Verbutterung dann eben nicht so lange dauern würde. Komischerweise geschah aber nichts in dieser Richtung. |
Im Gegenteil, die weiße Flüssigkeit wurde zwar sämiger, aber sie schmiegte sich wie ein zweite Haut um ihn und behinderte zunehmend seine Bewegungen. "Das ist dann wohl das Ende! Wie konnte ich nir so blöd sein." waren die letzten Gedanken, als ihm die Farbe, mit der der Aufbau eines Krabbenkutters verschönert werden sollte, bis zum Froschhals stand. Er wollte schon quaklos den Kopf hängen lassen, als sich eine gute Fee in Gestalt eines Fischers ( offenbar eine Transvestitin!) seiner erbarmte, ihn leicht angeekelt aus der sensenschwingenden Soße fingerte und sogleich im hohen Bogen über Bord warf. Das war schon ein Glück, denn dem Fischer seine Frau hätte den Frosch womöglich geknutscht und anschließend frustriert an die Kaimauer geklatscht. Aber da die Farbe wenigstens Öko und somit wasserlöslich war, durfte sich der Frosch ob seiner ansonsten ja guten Fitness sogar noch eine Chance auf einen glimpflichen Ausgang des Abenteuers ausrechnen. Die Fische im Hafenbecken unterstützten ihn nach Kräften, indem sie ihn an seinen Stolz appellierend lautstark anfeuerten, "ihnen doch seine Locken zu zeigen." Ob er ebendies noch geschafft hat oder das nach diesem traumatischen Erlebnis überhaupt noch wollte, ist nicht bekannt. Soweit ich weiß, ist er an jenem Vorfall nicht gestorben, aber er soll sich daraufhin - seines enormen Glücks bewußt - jedesmal genau überlegt haben, ob er noch einmal auf einen Sprung bei den Nachbarn vorbeischaut. Viel von ihm in der Öffentlichkeit gesehen hat man jedenfalls nicht, und schon garnicht im Buchladen. |

| Rumpelfänger (frei nach den Gebr. Grimm) Es war
einmal ein König, der sich in den Kopf gesetzt hatte,
dass in seinem Reich das Licht nie ausgehen werde, und es
war einmal ein Pfarrer, der war arm, aber er hatte eine
Tochter, die immerhin Physik studiert hatte. Nun traf es
sich, dass er mit dem äußerst energiehungrigen König
zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte
er zu ihm: Ich habe eine Tochter, die kann Kerne zu
Strom spalten. Der König sprach zum Pfarrer:
Das ist eine Kunst, die mir wohl gefällt, wenn
deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, so bring
sie morgen in mein Schloss, da will ich sie auf die Probe
stellen. |
Neue Namen habe ich keinen einzigen finden
können, aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke
kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich
da ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer,
und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches
Männchen, hüpfte auf einem Bein und schrie: Heute back ich, Morgen brau ich, Übermorgen hol ich der Königin ihr Kind; Ach, wie gut ist, dass niemand weiß, dass ich Rumpelfänger heiß! Ich fragte das Männchen, wie es zu diesem sonderbaren Namen gekommen sei , und es erzählte mir folgende Geschichte: Im Jahre 1284 ließ sich zu Hameln ein wunderlicher Mann sehen. Er hatte einen Rock von vielfarbigem, buntem Tuch an und gab sich für einen Rattenfänger aus, indem er versprach, gegen ein gewisses Geld die Stadt von allen Mäusen und Ratten zu befreien.Die Bürger sagten ihm diesen Lohn zu, und der Rattenfänger zog sein Pfeifchen heraus und pfiff. Da kamen alsbald die Ratten und Mäuse aus allen Häusern hervorgekrochen und sammelten sich um ihn herum. Als er nun meinte, es wäre keine zurückgeblieben, ging er aus der Stadt hinaus in die Weser; der ganze Haufen folgte ihm nach, stürzte ins Wasser und ertrank. Als aber die Bürger sich von ihrer Plage befreit sahen, reute sie der versprochene Lohn, und sie verweigerten ihn dem Mann, so dass dieser verbittert wegging.Am 26. Juni kehrte er jedoch zurück in Gestalt eines Jägers, erschrecklichen Angesichts, mit einem roten, wunderlichen Hut und ließ, während alle Welt in der Kirche versammelt war, seine Pfeife abermals in den Gassen ertönen.Alsbald kamen diesmal nicht Ratten und Mäuse, sondern Kinder, Knaben und Mägdlein vom vierten Jahre an in großer Anzahl gelaufen. Diese führte er, immer spielend, zum Ostertore hinaus in einen Berg, wo er mit ihnen verschwand. Nur zwei Kinder kehrten zurück, weil sie sich verspätet hatten; von ihnen war aber das eine blind, so dass es den Ort nicht zeigen konnte, das andere stumm, so dass es nicht erzählen konnte. Ein Knäblein war umgekehrt, seinen Rock zu holen und so dem Unglück entgangen. Einige sagten, die Kinder seien in eine Höhle geführt worden und in Siebenbürgen wieder herausgekommen. Es waren ganze 130 Kinder verloren. Warst du das etwa selbst? fragte ich in einer Mischung aus Unglaube und Bewunderung, und es erwiderte: Nö, aber ich habe alles über den Mann gesammelt und bewundere ihn so sehr, dass ich mich nach ihm benenne und ihm in allem nacheifere. Sprachs und holte ein Pfeifchen heraus, auf dem er sich vergnügt eins pfiff. Da könnt ihr denken, wie die Königin froh war, als sie den Namen hörte, und eine Bezug zu ihrem eigenen Problem mit ihm herstellen konnte. Und als bald hernach das Männlein hereintrat und fragte: "Nun, Frau Königin, wie heiß ich?" fragte sie erst: Heißest du Jürgen? Nein. Heißest du Sigmar? Nein. Heißt du etwa Rumpel... Das Männlein zuckte zusammen. Heißt du etwa Rumpel...fänger?" Dem Männlein rumpelte ein Stein von der Brust, doch es ließ es sich nicht anmerken. Wer hat dir denn DAS gesagt? Stimmts? freute sich die merkelich erleichterte Königin. Doch das Männlein lächelte diabolisch: Zwei Herzen, ach, wohnen in meiner Brust, jedoch: Knapp vorbei ists auch daneben soo steht es jedenfalls nicht in meiner Missgeburtsurkunde. Aber die Idee ist guuut Sprachs und holte sein Pfeifchen heraus, woraufhin alle Kinder aus dem gesamten Hofstaat angelaufen kamen und ihm folgten, als es fröhlich von dannen hüpfte und fortan samt der Kinderschar nie mehr gesehen ward. "Das hat mir der Teufel gesagt, das hat mir der Teufel gesagt", schrie die nunmehr mit allen bösen Geistern gesegnete Königin und stieß mit dem rechten Fuss vor Zorn so tief in die Erde, dass sie bis an den Leib hineinfuhr, dann packte sie in ihrer Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riss sich selbst mitten entzwei. |

Impressionen aus dem Märchenwald rund um die Sababurg