Von der Freiheit des Autoren in den Medien


Die Vorgeschichte:
Eines Tages klingelte mein Telefon: Das Fernsehen war in Form der zuständigen Journalistin persönlich am anderen Ende und begehrte Küchen - Texte für ein Buch zum ARD- Buffet. Da war der Anfang einer ziemlich nervigen und letztlich ergebnislosen Korrespondenz, in deren Verlauf ich meine ursprünglichen kabarettistischen Texte nahezu jeder Pointe berauben und dem "Volksgeschmack" anpassen sollte. Als Beispiel hier der angeregte Text über einen typischen Betrachter der Sendung:

Cook as cook can I

Lang schon ist her, da die Zeit sich erschöpfte in knurrendem Warten,
eingedenk quälenden Frusts sowie künftiger Zufuhr der Nahrung.
Eben noch voller Elan und beflügelt vom freudigen Abschied,
wurd bald der Tag mir zur Last und der Mittag zum Fels ohne Brandung,
jedem gleich, der nicht recht weiß, seine Hände geschickt zu gebrauchen.
0 wie vermißte ich die, die zuvor mich nur nervten und saugten,
was dem Geflecht meines Geists ich in mühsamer Arbeit entrungen!

Welch eine Fügung fürwahr, die mich wies, in die Ferne zu schauen!
Hin zu dem bunten Buffet, das die A-ER-DE  dem bereitet,
der noch ein wenig Geschmack, noch Kultursinn nennt sich zu eigen!

Nehmt nur die Richtung des Mahls, die mich früher nie sehr berührte,
war´s doch der Job meiner Frau, neben Garten und Haushalt und Kindern!
Wunderts dann, wenn zu Beginn meines keimenden Kochinteresses,
Skepsis und Spott überwog, mild gepaart mit dem besseren Wissen
derer, die stets mich umsorgt und dabei nie des Schlechten geziehen?
(Auch nicht des Guten gelobt- nebenbei bemerkt - wozu die Worte?)
 

Erst nur, da stand mir der Sinn, sie ins Kochgeschehn einzubeziehen,
welches der Äther kredenzt, Appetit und Bewund´rung erregend.
Doch sie wich schnöde  aus dem, was der Rufer vorm Bildschirm verkündet,
deutlichst und auch wiederholt, daß den Weg in die Küche es fände!
Fast schien es Arroganz, die ich redlich verblüfft bei ihr wähnte.
Später erst deucht mir die Angst ob des plötzlichen Hoheitsverlustes!

Folglich blieb mir keine Wahl, als mich selbst um die Speisen zu kümmern,
deren Genuß ich bestrebt, deren Neuartigkeit mich beflügelt.
Anfangs noch sträubte sich zwar jede Windung des zweifelnden Hirnes,
ratlos im Labyrinth,erst des Supermarkts dann "ihrer" Küche.
Schwer war die kommende Zeit, voller Pannen und Patzer und Pflaster,
die mir gereichten zur Zier, wenn die falschen Geräte ich wählte.
Nie vergeß ich den Tag, als zum ersten Mal mir vergönnt war,
ein - zwar bescheidenes - Mahl ganz aus eigener Kraft zu bereiten,
richtig mit Vor und Danach und Dazu und die Frau sitzt daneben.

Eins noch, das muß ich gestehn: Tja, es gibt da gewisse Probleme,
ob des verschmutzten Geschirrs, das mein Weib jetzt bemerkt und bemängelt.
Reinigen sollt ich es selbst, der zu Allergien ich doch neige.
Ehrlich, das muß doch nicht sein, schließlich soll ihr doch auch noch was bleiben!?

Dieses Versmaß wurde als "zu anspruchsvoll" zurückgewiesen. Daraufhin versuchte ich es folgendermaßen - diesmal ohne Beanstandung!

Cook as cook can II

Ohne Zweifel dauerts ewig,bis der Vormittag verschleicht,
angenommen für nen Rentner,dem jetzt eh schon alles reicht.
Die Erwartung eines Mahles füllt das schlecht versorgte Hirn,
und im Falle eines Falles  geht ihm alles auf den Zwirn!
Ists ihm obendrein noch fade, weil sonst niemand bei ihm hockt?
Siehst du wohl, das ist es grade, was ihn prompt zum Fernsehn lockt!

Ebenso ists mir ergangen mittendrin im Monat Maie!
Gott sei Dank verschlug das Schicksal gleich mich in die erste Reihe!
Kurz vor mittag, als am ärgsten  nagten Frust und Magenweh,
flimmerte  mir vor die Augen just das ARD - Buffet!

"Kann man ohne Prügel gucken!" konnte ich bald eingestehn.
Dabei hatt ich es besonders auf das Kochen abgesehn,
was daselbst inForm und Farbe jedesmal perfekt gelang.
"Das wär was für meine Erna!"dachte  ich im Überschwang.
Hier Kartoffeln, da Kartoffeln! Doch welch großer Unterschied:
Hier ists Arbeit, dort ists Freude! Ja,da machen wir doch mit!?


Ja, von wegen!Pustekuchen! Erna wich der neuen Enge.
Folglich kam ich selbst erst langsam, später schneller in die Gänge,
deren drei beim ersten Mahle ich der Küche abgewann,
mit davor,dazu, dahinter und der Erna nebendran.
Klar, da gab es auch Probleme: Narben zieren meine Hände
trotz moderner Hilfssysteme, Fingernägel sprechen Bände!
Schon allein fürn Einkaufswagen machte ich den Führerschein.
Sogar meine Frau zu fragen fiel in höchster Not mir ein!

Doch nun zu den Perspektiven: Kochen hält mich voll in Trab!
Erna kann sich nicht beklagen: Dafür wäscht sie alles ab.
Das ist echte Arbeitsteilung! Das ist Emanzipation!
Das nach vierzig Jahren Ehe! Hand aufs Herz: Wer hat das schon?!
Kurz und gut: Mir ist jetzt wohler! Hell erglüht der Lebensdocht!
Erna guckt bisweilen komisch: Obs noch immer in ihr kocht!?

Irgendwann in der Folgezeit hat dann die Redakteurin den Arbeitsplatz gewechselt und seitdem habe ich nichts mehr vom Fernsehen gehört.
Jetzt bin ich zwar nicht im ARD-Buffet vertreten,
aber dafür lebe ich noch!

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