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NATTERNBUSCHER ÄNDERUNGSDENKEREI

begann


Prae Mortem

30.6.2022 - ...?



siehe:
http://koproduktionen.de/Ofengeister.html


30.6.2022


Hans im Glück I


Ich werde ab sofort die Themen wechseln.
Am Jubeltage schlug das Schicksal ein.
Dem zweiten Leben folgt ab jetzt das Sterben.
Wann, wie und wo? Egal, es soll so sein.
Es raunt der Krebs dem Krebs: "Moin Bruder,
wir haben jetzt denselben Weg," ins Ohr.
Es ist schon heftig, wie sich alles ändert.
Aus dem Danach entsteht urplötzlich ein Davor.
Was Putin vorhat oder auch Corona,
geht mir im Kopfumdrehn am Arsch vorbei.
So kann im Unglück ich gar Glück empfinden:
Als Hans im Glück ist mir so etwas ja nicht neu.
11.7.2022

Hans im Glück II


Von  künstlichem Darmausgang war das Gerede
des Internisten nach des Darmes Spiegelung
in Anbetracht der klassischen Methoden
der Therapie bei reich gestreuten Metastasen
des Darmtumors in wohlvernetzter Leber.
Zum Glück war der Chirurg da and´rer Meinung
und scheute nicht mit schnellem Invasiventzug das Risiko,
das mich zum nunmehr zweiten Glück bewahrte
gerade so noch  vor dem nahen Darmverschluss.
Als mir zudem zum dritten Glück auch noch  vergönnt war
postoperativ ein völlig reibungsloser Heilverlauf,
(Ich hab sogar im Krankenbett mein Kanu noch verscherbelt!)
seh weiterhin gelassen alledem ich nun entgegen,
was meinem Wunsch nach palliativen Therapien entgegenkommt.
11.8.22

Hans im Glück III


Die mörderische Hitzewelle
betrifft uns an der Küste
nur am Rande.
Ein meist starker kühler Seewind
sorgt in der Regel
für eine Abkühlung bis 10 Grad
und lässt auch die Unwetter
knapp südlich an uns vorbeiziehen.
Das ist aber noch nicht
mein persönliches Glück,
denn damit ging es mir
nach kurzer Zeit ziemlich Scheiße.
Mein Glück besteht darin,
dass es mir in den letzten Hitzejahren
genauso beschissen ging,
und ich mir deshalb wegen des Krebses
keine Sorgen zu machen brauche.

30.8.22

Hans im Glück IV

Mein Krebs ist angeblich ein "Doppelwildtyp".
Klingt fies, aber just dagegen gäbe es eine
äußerst erfolgreiche Antikörpertherapie.
Kurz nach der ersten Chemo wurde ich
die letzten 5 Liter meiner Ödeme,
sowohl der postoperativen wie
der offenbar tumorbedingten,
schlagartig entledigt.
Insgesamt 12 Kilo weniger
lassen mich nahezu schweben,
und zum Kotzen finde ich selbst
auch nach der nächsten Chemo nichts.
Gewisser gehobengeheimer Glücksgefühle
 kann ich mich dabei nicht wirklich erwehren,


4.9.22

Hans im Glück V


Wir leben coronabedingt seit über 2 Jahren
in größtmöglicher häuslicher Zweisamkeit,
was an sich für die meisten Normbürger
wohl kaum nachvollziehbar sein dürfte.
Im absolut zuredungsfreien Zustand
blieb es mir vor 2 Monaten überlassen,
mich für eine Chemo oder voraussichtlich
3 irdische Restmonate zu entscheiden.
Ich habe das Ausprobieren gewählt,
um wenigstens für mich selbst
vermeintlich Wichtiges regeln zu können,
Das bisher mühsam Erreichte stellt
zumindestens mich durchaus zufrieden.
Heute morgen trat plötzlich etwas ein,
womit ich nach zunehmenden und teils
grenzüberschreitenden Spannungen
mein Lebtag nicht mehr gerechnet habe:
Ich wurde in den Arm genommen-
und zwar auf eine zugewandte Art,
die mich auf einem körperlich
wie nervlichem Tiefpunkt
nicht nur zum Heulen brachte,
sondern auch noch einmal motivierte,
an meiner Sterbensqualität zu arbeiten.
Zumindestens im Moment
empfinde ich das als großes Glück,
an das mich diese Zeilen
irgendwann erinnern mögen.
23.9.22

Hans im Glück VI


Das bedrohlich gefallene Gewicht
wird seit über einer Woche
mit einer gehörigen Portion Schiss
gegen einen heftigen Schiss
und eine ins metallische Einheitsgrau
mutierende Geschmacklosigkeit verteidigt,
welche ihrerseits eine Folge davon ist,
dass die Schleimhäute chemobenebenwirkt
offen gesagt so gut wie im Arsch sind.
Es ist ein Leben im Bannkreis des Aborts,
Ein für mich in jeder Hinsicht
erreichbarer Psychoonkologe
(nix mit *in!)
ist im Internet nicht zu finden,
aber die Koordinatorin
der örtlichen Hospizgruppe

drohte mit einer Sterbebegleiterin.
Naja, wer kann schon wissen,
dass ich bereits alle zwei Wochen
viermal eine Dreiviertelstunde
eine super Sterbebegleitung genieße.
Sie existiert in Person der Taxifahrer
(nix mit *innen!)
auf der Fahrt zur Chemotherapie,
die zur Zeit von Krankenfahrten quasi leben
und sich dabei zu objektiven Spezialisten
für meine Probleme entwickelt haben.
Mit denen kann ich auch alles Mögliche
von den Lebermetastasen  weg bequatschen.
Das sind für mich zur Zeit
die größten Glücksmomente.

10.10.22

Hans im Glück VII

4 WOCHEN OHNE!
Eine Chemo musste
durchfallbedingt ausfallen.
IST EIN ERFOLG GEFÄHRDET?
Vielleicht, vielleicht auch nicht.
HATTE DAS EINE AKUTE WIRKUNG?
Sogar drei: Zwei gute und eine ungute.
WELCHE WAREN POSITIV?
Ich spürte wieder Geschmack am Input
und holte mir mit ausgiebigem,
weniger gesundem Essen 5 Kilo zurück.
Mir wurde nicht mehr so schnell kalt
an Zunge, Nase, Rachen, Händen und Füssen.
DAS IST DOCH TOLL?
Naja, aber darunter sind wahrscheinlich
um die 2 Liter (Leber-)Wasser,
das sich in den Füssen staut.
Und dass mir meine Leberwurst wäre,
kann ich nun wirklich nicht behaupten.
OH, DAS KLINGT ÜBEL!?
Schoon, aber ich empfinde es als Glück,
wieder etwas geschmeckt zu haben
und irgendwie dem Verfall
entgegen steuern zu können.
DEM KANN ICH NUR BEIPFLICHTEN.
Heute hatte ich die 4.Chemo.
Das Essen hat immer noch geschmeckt,
aber zunehmend erkaltende Hände
und Füsse, die unbestützstrumpft
dem Schuhlöffel wieder zu trotzen beginnen,
trüben in Zeiten des erforderten Energiesparens
die Begeisterung dann doch etwas.
Das lässt beim Laufen allerdings nach,
und als Pensionär brauche ich mir zum Glück
nicht mehr jeden Schuh anzuziehen.

15.10.22

Hans im Glück VIII

Am 30. Juni, es war mein Geburtstag,
beschied mir die Ärztin, ein Krebs streut per Blut.
Ich hatte bis dahin, obschon  73,
mit früher Erkennung just garnichts am Hut.

Unsterblichkeit stand nie auf meiner Agenda.
Versprechen der Pharmafia lockten mich nicht.
Ich sah mich schon vorher als Teil der Natur nur,
den Stoff wechselnd nach einer "Lebens"schicht.

Ich habe genau eine Hälfte des Lebens
im Ruhestand ohne Gebrechen verbracht-
am Rande zwar jeglicher Art von Gesellschaft,
doch find ich im Rückblick das wohlbedacht.

Es war zwar nicht leicht, doch das Leben ging weiter
im Eheverbund und mit eigenen Heim.
Wer uns - das gabs auch! - aus der Nähe erlebt hat,
der machte darauf sich manch seltsamen Reim.

Zur Hauptsache wurde: Uns interessiert nicht,
was "man" so alles getan haben muss.
Ob Kreuzfahrt, Gourmettempel, Bad in der Menge:
Wir fanden im Kleinen selbst großen Genuss.

Wenn "man" sie erst einmal für sich akzeptiert hat,
wird häusliche Carearbeit professionell,
und macht auf dem Konto sich günstig bemerkbar.
Nennt ihr sie doch Schwarzarbeit, ich finds reell.

Der Schmalhans bekam keinen Job in der Küche,
auch wenn ich gerade als Schmalhans agier.
Die Gattin  kreiert exquisite Gerichte.
Stets reichten auch schmale Finanzen dafür.


Mich nervt außerdem keine Herkunftsfamilie,
mit allem, was sich so für Kinder gehört.
Das eigene Kind geht längst eigene Wege-
und machts meiner Ansicht nach garnicht verkehrt.

Der Schwiegersohn geht mir nicht auf den Senkel.
Eins schätz ich vor allem und sage es gern:
Kein Großelternstreit, denn man plant keine Enkel.
Man geht seine Wege und grüßt sich von fern.

Ich brauche nicht Himmel und Hölle zu fürchten
und gärende Teufel in Pfaffengestalt,
die mir just am End noch die Laune verdürben.
Die Aussicht darauf lässt mich mirseidank kalt.

Mit Laptop und Internet bleibt so geschmeidig,
was mir an Gedanken die Hirnschale füllt.
Ich poste, des brotlosen Redens längst leidig,
alles, was raus muss, in Wort und in Bild.


Dazu bin ich freilich auch jetzt noch imstande,
und blicke zudem nicht in Trauer zurück.
Ich kann mich zur Zeit ganz gut selber versorgen.
Das mcht mich zufrieden und reicht mir zum Glück!

21.10.22

Hans im Glück IX

Die alte Kreativität,
sie meldet sich zurück!
Wie schön, denn das empfinde ich
als unverschämtes Glück!
Die Themen sind zwar eingeschränkt
durch Krebsgedöns und Tod,
doch fühl ich nicht mich eingeengt:
Bedauern tut nicht not.
Ich tu etwas, und das tut gut.
Meist wird es ein Gedicht,
mal so, mal mit ´nem Bild dazu,
wie´s aus dem Bauch mir spricht.
Das Silbenscrabble baut mich auf
und Langeweile ab.
Ich hoffe, dass auch rüberkommt,
was für ein Glück ich hab.




31.10.22

Hans im Glück X

Ich fühl mich zur Zeit ziemlich müde und schlapp,
doch habe ich ein ganz spezielles Glück:
Ich brauche mir keine Gedanken zu machen.
über ein Halloweenkostüm.
Brauch ich mich doch nur auszuziehn,
um Gruselgefühle im Nu zu entfachen.
Vor so´nem Gerippe schreckt jeder zurück.
Die Vielfalt der Haut dated alles noch up.

11.11.2022

Hans im Glück XI

In  einem nervenzermürbenden Stadium
längeren durchfallbedingten Durchhängens,
wähnte ich mich auch ohne den
zweifelvoll vorhandenen Angstschiß
so richtig in der Scheiße zu stecken,
als heute morgen das Kontrollgespräch
nach der ersten Therapiephase anstand.
Doch welch eine unerwartete Wendung:
Die Werte aus dem Labor und dem CT
zeigten sich derart deutlich verbessert,
dass probeweise bereits in der zweiten Phase
auf die Chemotherapie verzichtet wird,
wobei die Antikörpertherapie weitertropft-
nur noch alle zwei Wochen montags,
und das für nur noch eine läppsche Stunde!
Weil der Teufel offenbar nicht nur
auf den größten Haufen scheißt,
sondern auch an kleinen Haufen
lieber keine Zeit verschwendet,
sollte arzterfahrungsgemäß damit
auch mein Durchfall kuriert werden.
Zudem erwies sich der Onkologe
selbst als kompetenter Leidensgenosse,
mit interessanten Ernährungstipps,
welche dem momentanen Glücksgefühl
alles andere als abführend sind.

15.11.2022

Hans im Glück XII

Die unverzagt friedliche Konversation,
ohne Groll und mit Hand und Fuß
scheint momentan ziemlich verpönt,
doch an Maske und mangelnde Motivation
und des Murmeltiers Morgengruß
hab ich mich zum Glück fast gewöhnt.


13.11.2022

Gefühle zum
VOLKSTRAUERTAG



20.11.2022


Gefühle zum
TOTENSONNTAG




1.12.2022

Hans im Glück XIII

Ein nennenswertes Weihnachtsgefühl
hatte ich zuletzt vor über  60 Jahren,
als ich mangels anderer Informationen
noch ein bilderbuchkatholischer Bub war.
Es fing am 1. Advent an und wich zügig
Stunde in Stunde mit den Festtagen
einer gewissen Alltagsagonie.
Mit dem Einsetzen der Pubertät wurde ich
relativ zügig bekennender Heide
und folgerichtig Weihnachtsmuffel,
Doch während LAST CHRISMAS
im Radio eine ganz andere Bedeutung
für einen frischen Krebspatienten
wie mich bekommen kann,
überkommt mich allmählich
so ein Gefühl wie Weihnachten.
Ich chemopausiere seit 5 Wochen
und bin zunehmend freudigst überrascht
von meinem Regenerationsvermögen.
Da derTherapieplan mindestens
weitere 7 Wochen Chemopause vorsieht
und damit weiteren Aufschwung signalisiert,
wird daraus ein richtig tolles Glücksgefühl,
das mir keiner mehr nehmen kann,
und sei der Alltag danach so grau, wie er will.
Vor allem habe ich jetzt eine positive Vorstellung
von der Zeit nach dem nächsten Chemozyklus.
Wenn das kein Geschenk ist...?!


.
.
Ich habe nach dem Motto



selbst einige gesammelte Annoncen
zu den mittlerweile 4 Bänden  beigetragen
und mich zur eigenen Anzeige inspirieren lassen:



.



Warum reagiere ich so heftig auf Angebote von Sterbebegleitern?

Mit 14 Jahren traf mich als gläubigen katholischen Messdiener auf dem Weg in den Sonntagsgottesdienst ein heftiger Schmerz in die Hüfte, der mich umgehend mit so schlechten Blutwerten ins Krankenhaus bringen ließ, dass ich dort während einer Chemotherapie 4 Wochen mein Bett nicht verlassen durfte. Einen Befund habe ich nie erhalten, aber seit einigen Jahren entnehme ich aus Gesprächen mit befreundeten Ärzten, dass es wohl Leukämie gewesen sein müsste. Nach der Entlassung habe ich damit keine Probleme mehr gehabt. Das eigentliche und bis heute nachwirkende Problem war jedoch am zweiten Tag der Besuch meines Religionslehrers am Krankenbett, der mich auf das drohende Sterben vorbereiten wollte. Das hat mich nicht nur erschreckt, sondern auch ans Denken über Gott, mich und die Welt  gebracht. Der Effekt: Ich habe mich sofort  vom Religionsunterricht abgemeldet und bin zum frühesten Zeitpunkt aus der Kirche ausgetreten. Und wenn ich eine Sterbebegleitung wünsche, suche ich mir die selber aus, wobei angeführte Ausbildungen und Zertifikate mich als ehemaligen Lehrer, dem erhebliche Unterschiede zwischen Theorie und Praxis nicht fremd sind,  eher abschrecken.

Nichtsdestotrotz gilt auch für mich:






.





.

Tempora mutantur et nos mutamur in illis!*
Entbärlichkeit ist lediglich
eine temporäre lokale Stoffwechselkomponente
des allumfassenden Weltsystems.





Mit Humor hat der Kollege in unserem Garten
immerhin einige Jahre seine Tumore aushalten können.




Angesichts der momentanen politischen Situation
kann ich allerdings keinen Humor aufbringen.
Ich sehe jedoch starke Parallelen zu meiner Lage:



Darüber habe ich allerdings schon ganz lange vor der Diagnose geschrieben:

Tumor ist, wenn man trotzdem lacht


Die Menschheit vernichtet ein Krebsgeschwür
genährt durch Mobilitätswahn und Gier
und durch Selbstüberschätzung beschleunigt,
die die gläubigen Träumer vereinigt.
Eliten gedeihn, weil die Masse verrottet.
Wer sich widersetzt, wird mit Glück nur verspottet.
Dem Denken wir zunehmend abgeschworen,
das überträgt man auf Prozessoren.
Das Handeln wird Robotern überlassen.
Egal, was passiert: Der Konsum muss passen!
Wer hat, der hat es meist hochwohlgeboren.
Wer nix hat, der hat hier bestimmt nix verlor

Der kann ruhig verzweifeln, vergammeln, verrecken.
en.
Man selbst kann sich ja hinter Mauern verstecken
und tun, als ob alles so gottgewollt wäre
und Eigentum eine Frage der Ehre.
Fakt ist, falls sich Loser zu klagen erdreisten:
Wer hat, hat auch Recht, denn das kann er sich leisten.
So tobt voller Arro- wie Eleganz
ums Goldene Kalb längst ein Totentanz.
Die modernde Zukunft dräut eh allen gleich:
Mikroben ist´s wurscht, ob arm oder reich.
Ich schreib dies, doch hege ich keine Erwartung
bezüglich der menschlichen Antientartung:
Die unbeirrt derart am Stecker zerren,
die werden nicht auf mein Gemecker hören.

Das Folgende ist zwar nicht jedermenschs Sache,
aber ich erinnere  mich sterbhaft daran:





Das gilt auch für pflanzliche Lebewesen,
und überhaupt zeigen sich auch Maschinen menschlich:



Ich beschäftige mich übrigens schon seit Jahren
kreativ mit todesbedingten Veränderungen

.


im
MORBIDEUM

Dort  gibt es dann unter anderem sogar auch etws
für unverbesserliche Reinkarnationisten:





Ausgangsmaterial

Ergebnisse der Verarbeitung von Leichen zu Schmuckstücken
sind dort ebenfalls ausgestellt:



Ausgangsmaterial





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