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Menschsein als Chance

Menschlichkeit, mit graut vor dir!

Oh Menschlichkeit, du Schwäche der Natur zuwider strebend,
wo frommer Wunsch entrückter Denkerstirn entspringt,
die Über- wie auch Untermenschen anvisierend
den Nebenmenschen meist nur dann mit Fleiß bemüht,
wenn allzu dicht als Unmensch er sich zeigen sollte.

Es soll vom Tier das Menschliche sich unterscheiden,
doch ist´s ein Glasaug oft, das so schön menschlich schaut.
Dabei beachtet mancher Edelhumanist das unvermenschte Leben
gerade dann, wenn es sich ganz besonders menschlich gibt-
und auf den Pelz dabei ihm bloß nicht rücken wollte.

Oh Menschlichkeit, du dienst manch ausgebufftem Sünder
als Argument zur Nachsicht seiner wohlgeplanten Tat,
und manchem menschverachtenden Geschäftemacher
der schurkisch lukrativ damit sein Übersoll erfüllt-
so tierisch gut, dass man ihm große Achtung zollte.

Bei solch Verlogenheit, die menschelnd mich begleitet,
mag ich gern Unmensch sein, der das auch nicht bestreitet.
Unmenschlich menschlich

Es fühlt als wahrer Unmensch sich im Nachhinein
ein Mensch, des Selberdenkens zweifelsohne mächtig.
Ein Unmensch, diesbezüglich ziemlich unverdächtig,
besteht im Zweifel drauf, auch nur bloß Mensch zu sein.

Zum Unmensch ward in stetem Drang zum Übertan
der Mensch im Lauf der Zeit: Kultur hat ihre Preise!
Natur zieht davon unbeirrt gewohnte Kreise -
das "Un" verzehrt sich, alles fängt von vorne an.

Egal, wo du verweilst, wohin dein Auge schweift:
Es menschelt unentwegt stets un-, gut-, über-, unter-.
Den einen macht es müde wie den andern munter.
Den Dritten schert es wenig, weil er nichts begreift.

Du kannst im Grunde niemals dir im Klaren sein,
wozu sich vorgezeigte Menschlichkeit entwickelt.
Ob sie dich aufbaut oder ob sie dich zerstückelt,
entscheidest du im Umgang mit ihr ganz allein.
Leben und sterben lassen

"Gut Leben" heißt "sich zurecht zu finden
in jeglichen Schicksals natürlichem Lauf".
Zur Frustvermeidung wird viel geboten.
Wer Sicherheit braucht, nimmt viel Unbill in Kauf.
Zum Zweck somatischer Frühbefunde
gibt´s teure Test´s und Geräte zuhauf.
Der Mensch hat sich als Ersatzteillager
zu fügen, denn andere warten schon drauf.
Doch fällt den medial Unbeirrten
mit offenen Sinnen vor allem eins auf:
Das Tor zum zwangsoptimierten Dasein
hat einen profitmedizynischen Knauf,
denn Früherkennung heißt "länger sterben".
Ein "länger zu leben" verzichtet darauf.

Weder – noch


Willst etwa du stark sein, dann heißt man dich kämpfen.
Bist du aber schwach, dann brauchst du es nicht.
Du musst auch keine Erwartungen dämpfen.
so wird dir zur Kür, was andern zur Pflicht.
Fürwahr, von Natur aus strebt mensch nach der Macht:
Aus Be- wird dann oft Überhauptung.
Dann muss er hinein, wo ́s am lautesten kracht:
Die besten erwischt ́s - wenn man ́s glaubt - jung.
Vermeintlicher Schwachheit muss mancher sich beugen,
das Wasser schleift Steine zwar sanft, doch gewiss.
Wer stark ist, der scheut sich nicht Schwäche zu zeigen
und geht seinen Weg auch mit Loch im Gebiss.
Drum sag, was bedeutet schon schwach oder stark?
Da lohnt sich von doch kein Gewese?
Ob Sahne- nun oder ob Magerquark:
Im Grunde ist beides nur Käse.
Der Wunderknabe

Jan- Malte ist ein wahrer Wunderknabe.
Scheckheftgepflegt seit der Geburt
entwickelt sich bei ihm noch jede Gabe,
weil er auch einer ist, der spurt.
Er ist der Liebling stolzer Qualitätserzeuger,
und heißbegehrt von allen Ortsvereinen.
Er ist der beste Schütze und der Obergeiger,
im Schach ein As und pfeilschnell auf den Beinen.
Die Lehrer machen ihm nicht wirklich Sorgen,
denn Lernen ist von kleinauf ihm Gebot.
Da blieb kein kleinstes Grauzellchen verborgen:
Ein Kerl aus bestem Turbokorn und Schrot.
Er leidet allerdings an schwerer Psittacose,
mühsam erlesen aus diversen Lexika.
Doch stört`s ihn nicht in seiner Sollnarkose:
Auf dünnem Eise ist er dicke da.
Die Lebenslinie läuft gerade wie am Schnürchen:
Kein Grund an irgendeiner Kreuzung abzubiegen.
Kommt hinterm Horizont doch noch ein Hintertürchen,
dann wünscht man ihm, er könne noch die Kurve kriegen.

Aegroto, ergo sum


Bist du gestorben oder unleidlich genesen,
hast du der Unversehrtheit abgeschworen,
dann bist du für das Sanitätsunwesen
als Kunde leider sooowas von verloren!
Solange da noch was zu machen wäre,
bedrängt es Ignoranz mit Werbung roundabout,
auf dass ein Zweifelsfünkchen sich vermehre,
bis man sich selbst zu nichts mehr traut.
Bist du zudem gesetzlich gar versichert,
drängt man zum Joggen dich und auch ins Studio.
Masseure freut´s, der Orthopäde kichert,
Kardiologen grinsen - alle machst du froh.
Doch bist du stur und möglichst am vermeiden,
nach dem, was fehlen könnt, mit Akribie zu fahnden,
dann wirst mit vielen du es dir verleiden,
die deinen Eigensinn mit Nichtbeachtung ahnden.
Wenn man gesund nur wäre, was gäb´s dann zu reden?
Man wird´s leicht leid, wenn leider Leid kein Thema ist.
Gutgehgeschichten nerven sicher jeden,
zumal, wenn du schon ziemlich alt geworden bist.
Drum halt die Sabbel, lass die Leute stöhnen!
Lass nicht erkennen, dass es dir genügt.
Glaub mir, auch du kannst dich daran gewöhnen,
wenn an Geselligkeit dir irgendwas noch liegt.
Zwischenentmenschlichtes

Wo feuchtgebietend ekelfreies Suhlen
verfraulicht wird in ungewasch ́nen Kuhlen,
wo graue Schatten golden glänzen,
stößt mein Verstand an seine Grenzen.
Was rund um die Uhr nur vom Hörensagen
die Ohren vermüllt, kann ich kaum noch ertragen.
Drum gebe ich jetzt mich psychoprophetisch:
Sex pur ist voll out! Voll in ist der Fetisch!
Egal, wonach letztlich der Sinn dir steht,
worauf dir bestimmt einer flitzen geht:
Erlaubt ist heut alles, was taugt für den Kick!
Verzeihung, fast alles! Verpönt ist der Fick!
Und wenn, dann schon Fuck - vor allem ins Knie!
Die Mudda des nervigen Typs visavis
wird - ohne daß man sie wirklich begehrte,
zum Ziele verbaler Bedrohungsofferte.
Man fuckt die Fifa, fuckt die Penne
und fuckt im Notfall auch die Henne.
Vorbei die Zeit als man in Glut kam
beim guten alten Kamasutram.
Geschieht es - dann nur medial verpackt-
womöglich sogar mit Normalkontakt,
doch nicht so wie einst. Das äußert sich darin:
Aus Miss-i-o-nar wird Miss-i-o-na-rin.
Das Knieproblem bleibt unverändert!
Nun gut- das nennt man wohl gegendert.

Get lucky!

The world goes round, the sky is blue!
the birds are singing, aber du?
Du dümpelst rum im eignen Saft.
Du glaubst ja nicht, wie mich das schafft!
Dir denkt in deinem Stimmungsgrabe,
was ich denn jetzt schon wieder habe?
Versetz dich mal in meine Lage,
denn dann erübrigt sich die Frage.
Weiß Gott, du solltest dich mal sehen,
dann würdest du mich auch verstehen.
In mir sei jede Zelle glücklich,
drum finde ich dich unerquicklich.
Be happy, and all things go better,
denn otherwise gibt`s Donnerwetter!!
You get now desderwegen lucky -
ein bisschen plötzlich, aber zacky!

Alle inclusive?


Wenn alle alles können sollen,
dann kann das alles kaum was sein,
und alle, die dann mehr noch wollen,
lässt man mit ihrem Wunsch allein.
So wird infolge karger Mittel
zum Hirngespinst das Postulat,
zum neuen Frustrationskapitel
im gärenden Unwohlfahrtsstaat.
Man kann ja alles ausprobieren,
doch wenn nichts geht, dann gehts halt nicht.
Der eine scheitert beim Studieren,
der andre vor dem Reisgericht.
Mal Hand aufs Hirn: Wer kann schon alles?
Die einen dies, die andern das.
So hat im Falle eines Falles
Der eine von dem andern was.
Wozu braucht man den andern schon,
wenn einer alles eh allein schafft?
Ist denn der Sinn von Inklusion
autark zu sein in der Gemeinschaft?
Fürsorgeuntersuchung

Infarktest du noch oder krebst du schon?
Oder bist du dement, und du weißt nichts davon?
Oder ist es bei dir etwa umgekehrt?
Ich hörte, du fühlst dich fast unversehrt?
Das kann doch nicht sein, so alt wie du bist!
Da haben sich andere längst schon verpisst!
Du bist noch zufrieden mit deiner Gestalt?
Dich lassen die warnenden Stimmen kalt,
die sich vor Sorge um dich überschlagen?
Nur keine Hektik: Ich darf doch mal fragen?
Du musst doch endlich auch mal an dich denken:
Der Krankenversicherung darf man nichts schenken,
wo die es doch vom Lebendigen nehmen.
Die gierigen Strolche, die sollten sich schämen!
Die stecken doch alle in einem Sack
mit Apotheker- und Ärztepack.
Du bringst es noch fertig und fällst einfach um!
Ich hör lieber auf, denn das wird mir zu dumm.
Himmel und Hölle

"Da könnte was sein, da könnte was werden!"
versprechen die Ärzte die Hölle auf Erden.
Ins logisch folgende Ängstegetümmel
versprechen sie trostreich das Blaue vom Himmel.
Genau so machen es Kirchenvertreter.
Bei denen droht einem die Hölle nur später.
Falls echt oder scheinbar die Hölle schon brennt,
besitzt Politik auch das gleiche Patent
vermeintliche Hoffnung dem Volk einzubläuen
und dunkle Gedanken vorerst zu zerstreuen.

Tod und Beutel

Am Konto liegt es nicht, auf welche Art Du scheidest:
Der Tod kann gnädig wie auch grausam sein.
Doch ist bei Dir womöglich richtig viel zu holen,
verlängert er sich oftmals ungemein.
Es stirbt in Ruhe mit sich selbst zufrieden
in kurzer Frist manch bettelarme Kirchenmaus.
Von Schläuchen angekettet an Maschinen
keucht wochenlang manch Penunziant sein Leben aus.
Und stirbst Du hilflos und auf Dich allein gelassen
im momentan nicht grade prallen Irgendwo,
helfen Dir andre Werte, die Du Dir erworben
oder auch nicht. Das gilt dann so und so
Postmoderne Nutzkindhaltung

Die postmoderne Nutzkindhaltung
zielt auf den möglichsten Ertrag.
Im Hinblick auf die Ausgestaltung
taugt, was zu kriegen man vermag.
Das Glück von ÖKO-BIO-Rindern,
mit leerem Munde propagiert,
vergönnt man nicht den eig´nen Kindern,
weil sowas nur ins Unglück führt.
So jedenfalls läuft heut der Hase,
im Zickzack ständig auf der Flucht
vor Langeweile und Extase,
falls kind nach Sinn im Abseits sucht.
Geklont, im Brutschrank ausgebrütet,
in Batterien clean aufgezogen,
rundum versorgt und wohlbehütet,
bis an den Kragen voll mit Drogen,
im Förder-Forder-Frust-Geplänkel
verloren und allein gelassen
so werden uns´re Ururenkel
dereinst die Arche wohl verpassen.
Vom doitschen Wesen


Klein Michel ist höchst wissbegierig
und voller Neugier auf die Welt.
In dieser weit herumzukommen,
das ist´s, was ihm recht gut gefällt.
Es können schließlich alle sehen,
wie gut es unserm Kleinen geht.
Den eig´nen Vorteil auszunutzen,
das ist´s, worauf er sich versteht.
Sein Heil will er herausposaunen,
egal, ob er auch angeeckt,
doch möchte jemand Anteil haben?
Das ist´s, was ihm nun gar nicht schmeckt.
Die fremden Bitter vor seiner Tür,
die hasst er gleichsam wie die Pest.
Für eig´nes Zutun gibt´s kein Gespür.
Das ist´s, was mich dies schreiben läßt.
Mit und ohne

Ein Mitmensch, den ewige Zweifel prügeln,
ergreift jeden Anlaß sich einzuigeln.
Man fragt sich, bar jeglicher Illusion:
" Lebt der noch, oder stirbt der schon?"
Ein Ohnemensch lässt den gelehrten Verein
der Götter in Weiß gute Männer sein,
bevorzugt bei „Ojemine!“
den Pu Errh - vor dem Em Errh -Tee,
lebt vorahnungslos in der Gegenwart
und hat einen Haufen an Kohle gespart,
wovon dann der Mitmensch enorm profitiert,
wenn wieder das Blut in den Adern gefriert.
Somit reicht für beide das Heilsangebot,
und letzlich sind doch alle beide gleich tot

Sehr wichtig!

Ist Wichtigsein für einen wichtig,
dann macht es jenen meistens süchtig.
Er giert nach Zeilen und Sekunden
im Medienpool. Ob gut befunden
oder beschissen - ganz egal:
Hauptsache drin - es zählt die Zahl.
Auch die der Kondolenzanzeigen
und deren Größe, ganz zu schweigen
vom Extra nach der Tagesschau.
Der Inhalt kümmert keine Sau.
Er hat zwar selbst nichts mehr davon,
doch dran zu glauben reicht ihm schon.
So mag er sich als reicher Wicht...
...benutzen lassen - oder nicht ?

Plappageiengesundheit

Wir sind ein Volk von Plappageien:
Geplappat wird nach, was schon jemand gesagt!
Wer Selbstsicherdachtes zu sagen mal wagt,
dem ist das kaum noch zu verzeihen.
Wird ihm mit Ignoranz begegnet,
gilt das allemal schon als Kompliment,
als Zeichen dafür, dass man anerkennt,
dass manche besser durchgebregnet.
Mit reichlich Geld dringst du hingegen
gebührend vermarktet in jedes Ohr.
sogar noch als Leiche stichst du hervor-
womöglich grade erst deswegen,
denn nur tot garantierst du Wohlverhalten:
Wer korrigiert in seiner Gruft
wenn Sinn in stiller Post verpufft,
und wenn warme Gedanken im Smalltalk erkalten?

 

Hilfe

Wie müßig scheint´s zu helfen denen,
denen im Grunde nicht zu helfen ist,
weil sie sich ihrer Lage schämen,
oder zu stolz sind gar und angepisst.
Wie blöd für die, denen das Helfen
einfach nur dienlich ist als Lebenszweck.
Der hehren Schar der netten Elfen
brechen dann nötige Ressourcen weg.
Sich rauszuhalten gilt gewiss nicht
als Präferenz für eine Hilfsaktion,
und Hilfe, die sogar Tabus bricht,
ist manchmal wirklich eine Topoption.
Doch blinder Eifer lässt geschehen,
dass vieles schlimmer noch als vorher wird.
Es ist nicht einfach beizustehen
mit etwas Wohlbedacht und unbeirrt.
Wie soll ich dies Gedicht vollenden?
Hast Du `nen Tipp? Dann los- verrat ihn mir!
Willst du nicht meine Zeit verschwenden,
hör auf zu labern, Freund! Das rat ich Dir.
Ich helf dir gleich, wenn du mit schlauen
markigen Sprüchen mir die Nerven raubst!
Dann rast ich aus - drauf kannst du bauen!
Das geht dann schneller, als du vielleicht glaubst!

Homo sapiens

Der Homo erkennt sich als "sapiens"
und findet sich auskömmlich klug.
Ihn kümmert nicht, wie er auf andere wirkt -
da ist er sich selbst voll genug.
Nur er sei das Maß und er schaffe allein
einen spirituellen Spagat.
Pantoffeltierchen haben dafür
nur Wimpernzucken parat.
Freundefinder

Freunde sind oft leicht zu finden
für die Tauben oder Blinden.
Und meist ist die Freude schon arg getrübt,
wenn der Blindenhund knurrt und das Hörgerät piept.
Doch auch im Vollbesitz der Sinne
verspricht die Suche Hauptgewinne,
denn manche findet man bisweilen
auch zwischen Tönen oder Zeilen.

Sexismus

Die Frauen sind sensibel,
und die Männer sind penibel.
Wer heute sagt, das wär nicht so,
dem nimmt man das leicht übel.
Die Feminna sieht sich als Opfer, - punktum!-
der Geissler die Männer als Täter
und wirft mit den Zahlen wie wild um sich rum
als Möchtegernschwerenöter.
Dass beiderseits so`ne und solche betreiben,
was die als Sexismus bemängeln,
das lässt sich gewiss nur in Ruhe beschreiben
und nicht durch mediales Verquengeln.

Theoriekratie

Im Nahkampf um völlig utopische Ziele
verzehren sich die Praktiker im Nu an der Front.
Im Elfenbeinbunker der fernen Etappe
erweitern Theoretiker den Horrorizont.
"Das kann doch nichts bringen!", so sollte man meinen,
doch geschieht´s grade so in fast allen Systemen,
die irgendwie weisungsgebunden erscheinen,
und schafft Feldherrnhügel von neuen Problemen.

Feiertagsbewältigung

Den einen sind die Feiertage
ein Grund zum Jubel-keine Frage.
Den Zweiten sind sie wohl egal,
doch allemal nicht optimal.
Den Dritten gehn sie auf den Sender
als nervige Kalenderschänder.
So herrscht,je nach des Blickes Winkel,
freudiges Hoffen, Frust und Dünkel.
Wer sich nicht arrangieren kann,
der eckt in jeder Runde an.
Doch wer sich in sein Schicksal fügt,
mit sanfter Duldung sich begnügt
und sich zur Not die Kante gibt,
der fällt nicht auf und bleibt beliebt.
Das ist- das kann ich nur beteuern-
zwar nicht das Gelbe von den Feiern,
doch alsbald macht der Alltagstrott
selbst Resignierte wieder flott.

Tumor ist, wenn man trotzdem lacht

Die Menschheit vernichtet ein Krebsgeschwür
genährt durch Mobilitätswahn und Gier
und durch Selbstüberschätzung beschleunigt,
die die gläubigen Träumer vereinigt.
Eliten gedeihn, weil die Masse verrottet.
Wer sich widersetzt, wird mit Glück nur verspottet.
Dem Denken wir zunehmend abgeschworen,
das überträgt man auf Prozessoren.
Das Handeln wird Robotern überlassen.
Egal, was passiert: Der Konsum muss passen!
Wer hat, der hat es meist hochwohlgeboren.
Wer nix hat, der hat hier bestimmt nix verloren.
Der kann ruhig verzweifeln, vergammeln, verrecken.
Man selbst kann sich ja hinter Mauern verstecken
und tun, als ob alles so gottgewollt wäre
und Eigentum eine Frage der Ehre.
Fakt ist, falls sich Loser zu klagen erdreisten:
Wer hat, hat auch Recht, denn das kann er sich leisten.
So tobt voller Arro- wie Eleganz
ums Goldene Kalb längst ein Totentanz.
Die modernde Zukunft dräut eh allen gleich:
Mikroben ist´s wurscht, ob arm oder reich.
Ich schreib dies, doch hege ich keine Erwartung
bezüglich der menschlichen Antientartung:
Die unbeirrt derart am Stecker zerren,
die werden nicht auf mein Gemecker hören.

Diagnose

Das angestrebte Ziel der Medizin,
das war, das ist und bleibt es fürderhin,
mit jedem erdenklichen Aufwand
für jeden erdenklichen Zustand -
ob psychisch oder somatisch,
jedoch nicht zwingend empathisch
eine Mordsdiagnose zu erstellen,
die ohne die Pharmafia zu verprellen
und ohne, dass jemand die Kassen vergrätzt,
Bearztigungsmuffel ins Grübeln versetzt.
Doch gibts auch die, die mit wehrenden Händen
die Diagnose gern dazu verwenden
um ihr Verhalten zu begründen,
das and´re ungebührlich finden.
So wird das Ergebnis, und sei´s noch so small,
zum Eulencry oder zum Nachticall.
Voll daneben

Ein Mensch, der tiefverspannt beteuert
"Was sind doch alle heut´ bescheuert!",
verstört als Opfer einer Blendung
mit seiner barschen Redewendung.
Der Unmensch nebendran nimmt´s locker:
"Was will der Topf- und Pfannenschocker?"

Menschsein reicht nicht

Den Mensch als Mensch nur anzusehen
verhindern Herkunftsdruck und stures Gendern.
Wer´s dennoch wagt, mag zugestehen:
Es wird vermutlich nichts daran sich ändern.

Ob Mann, ob Frau, ob Carnophage,
Veganer, Gottsanbeter oder Heide:
Solch Unbeachtung bringt zutage,
ob die Begegnung lohnt für beide.

 

Seniorenforror

Bist du digital bewandert?
Hast du sonst nix um die Ohren?
Warst du immer hart im Nehmen?
Log dich in Seniorenforen!
Machst du das nicht nur "mal eben",
weil du was zu sagen hättest,
kannst ratzfatz du was erleben!
Ganz egal, was du auch chattest.
Undercover abgetastet
wirst du erst mal ignoriert.
Digitales Stirnerunzeln
hindert, weil es provoziert.
Selbst wenn du auf andre eingehst,
gehst du manchmal furchtbar ein:
Stramme Altseniorenforer,
putten raus und ungern rein.
Hat man Bildung oder Meinung,
dass du sie in Frage stellst?
Drücke lieber schnell auf EXIT,
eh du auf die Nerven fällst.
Maulaffen sind eine Lösung:
Die hältst du am besten feil.
Paarst du ́ s mit devotem Nicken,
schaffst du dir ́nen Platz am Seil.
Irgendwann bemerkst du langsam:
"Das ist wohl ein Griff ins Klo?
Nix wie weg aus diesem Laden!" -
oder du wirst auch noch so.
Eigentlich gibt ́s nix zu wundern:
Wer sich eh am Ende sieht,
braucht sich nicht mehr zu benehmen,
ganz egal, was auch geschieht.
Digitale Gruftfamilien
muss man eben klaglos mögen!
Meine Meinung dazu lautet:
FACEBOOK ist echt Gold dagegen!


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