Karl Ranseier Gedächtnisseite

Auch ich habe es jetzt kapiert:
Der Karl stirbt ab, der Karl lebt auf!
So ist nun mal sein Tageslauf
als Eintagskarl im Cyberloop.
Das sorgt für den Bedeutungsschub,
der Stehaufkarlchen motiviert.


Stets pünktlich entsteigt seinem Sarkophag
um Punkt Nulluhr Null am Murmeltiertag
der Karl. Und wie immer gedankenverloren,
wie oft er inzwischen wohl wiedergeboren,
was unvermeidlich die Aufmerksamkeit mindert,
und jegliches Dasein doch ganz schön behindert,
verbaselt er Stunde um Stunde sodann
bis zum sicheren Date mit dem Sensenmann.
Sein Kreiscrash, der wird hochwillkommen
von Gaffern und Spöttern wahrgenommen.
"Willst du sowas?" hat man nie gefragt.
Er hätte vermutlich auch "Ja!" gesagt.
Es ist wie immer an Allerseelen:
Karl öffnet die Tür von seiner Gruft.
Ein unfriedhöfliches Mordsgedränge
bewirkt, dass die Lebenslust verpufft.

Er hat keinen Bock auf Ellenbogen
und den jährlichen Run ans Grablichtermeer.
Der Tag könnt ihm glatt gestohlen bleiben,
ihn gelüstet es nicht nach Rushdayverkehr.

Warum soll seine tägliche Lebensaufgabe
just in Nordrhein - Westfalen beweltigt werden?
Es gibt allemal anderswo schönere Plätzchen
zum Verbleib sowohl über wie unter Erden.

Die Frage verbohrt ihn im Grunde schon länger
und ihm schwant, daraus könnten Probeme erwachsen,
doch scheint er noch einmal die Kurve zu kratzen:
Er erwägt einen Umzug nach Niedersachsen!
In fester Absicht seinen Willen zu verletzen
schreibt Karl ihn auf auf frischgebügeltem Papier.
Darauf versuchte er sich schleunigst abzusetzen,
und das gelang ihm zweifellos avec Plaisier.
Doch in der Eile, diesen Willen zu vernetzen,
ließ er dabei das Bügeleisen außer Acht.
Groß war im Nachhinein des Karls Entsetzen,
als ihn der Feuerwehreinsatz zurückgebracht
in einen Zustand, den er garnicht mochte,
der seinen Willen obendrein verletzt.
Man konnt ihm ansehen, wie´s im Innern kochte,
während Freund Hein vergeblich seine Sense wetzt.
Karl freitags nimmt den Schmerz im Kreuz in Kauf
und endet wieder wie gewohnt.
Man nagelte ihn schließlich fest darauf.
Doch fragt man sich, ob das noch lohnt?
Es ist ja nur für eine kurze Zeit,
danach gehts eh von vorne los.
Probates Stehaufmännchenleid
verwundert nicht mehr allzu groß.

Karl liest sich in die Bibel ein:
Was seh ich da? Kann das denn sein!?
Das Jesulein? Nee, ne? Das bin doch ich?
Woher wohl zum Teufel kennen die mich?
Beim weiteren Studium, das er getätigt,
fühlt er sich zunehmend bestens bestätigt.
Doch halt! Was ist das? Es kommt ihm ein Zweifel.
Vermutlich agiert da ein Druckfehlerteufel.
Am Ende seiner Erdentage
käm ihm Karlfreitag nur in Frage.